Vogelstimmen im heimischen Garten
Ich habe schon oft gelesen, zu welchen Tageszeiten und über welchen Zeitraum verschiedene Vogelarten singen. Wirklich überprüft hatte ich dieses Wissen jedoch lange nur mit meinem eigenen Gefühl – geprägt von Beobachtungen draußen in der Natur. Seit dem vergangenen Herbst konnte ich dieses Bauchgefühl nun erstmals mit Daten vergleichen.
Im September habe ich ein sogenanntes PUK an meiner Hauswand installiert – ein Gerät, das Vogelstimmen aufzeichnet und diese mithilfe künstlicher Intelligenz den jeweiligen Arten zuordnet. Mittlerweile liegt mir die erste Auswertung für den Herbst und Winter vor.
Sehr deutlich zeigt sich dabei, dass sowohl die Amsel als auch das Rotkehlchen ihre Gesangsaktivität vor allem in die Morgenstunden legen. Zwar ist auf den Diagrammen auch ein zweiter Peak am Abend zu erkennen, dieser fällt jedoch deutlich schwächer aus und ist mit dem morgendlichen Gesang kaum zu vergleichen.
Die Blaumeise hingegen ist ein typischer tagaktiver Vogel. Wie bei Amsel und Rotkehlchen ist auch bei ihr ab Februar eine klare Zunahme der Gesangsaktivität zu erkennen. Im Gegensatz zu den beiden singt die Blaumeise jedoch nicht nur morgens, sondern auch am Nachmittag. Dennoch liegt der Schwerpunkt eindeutig am Vormittag. Die ruhigste Phase für alle untersuchten Arten ist die Mittagszeit.
Besonders spannend sind die Ergebnisse zu den Zugvögeln. Sowohl die Drosseln als auch der Hausrotschwanz gehören zu dieser Gruppe. Beim Hausrotschwanz lässt sich gut nachvollziehen, dass das letzte Individuum in meinem Umfeld am 2. November aufgezeichnet wurde – ein vergleichsweise später Zeitpunkt, der jedoch noch im normalen zeitlichen Rahmen liegt. Nachts ist der Hausrotschwanz nur selten zu hören. Obwohl er dafür bekannt ist, sehr früh mit dem Gesang zu beginnen, scheint dieses Verhalten vor allem auf das Frühjahr beschränkt zu sein.
Die Rotdrossel ist in Offenbach kein Brutvogel und auch in meinem Garten nicht heimisch. Sie zieht lediglich über das Gebiet hinweg. Umso eindrucksvoller ist es, anhand der Aufzeichnungen zu sehen, dass sie – ähnlich wie die Singdrossel – genauso die Nacht durch über Offenbach zieht. Auch wenn dieses Zugverhalten gut dokumentiert ist, begeistert es mich, es auf diese Weise selbst nachweisen zu können.




